Das ist Grindelwald.

Grindelwald ist weit mehr als ein weltbekannter Ferienort am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau. Das Dorf blickt auf eine aussergewöhnlich reiche Geschichte zurück – von frühen Siedlungsspuren und kirchlichen Zeugnissen über Berglandwirtschaft, Alpinismus und Tourismus bis hin zu moderner Infrastruktur, nachhaltiger Energie und internationaler Bedeutung als Ganzjahresdestination. Die folgenden Fakten zeigen prägende Ereignisse, Entwicklungen und Meilensteine aus Vergangenheit und Gegenwart von Grindelwald.

Wichtige Meilensteine auf einen Blick

1. nachchristliches Jahrtausend
Erste Siedlungen von Bergkelten im Gebiet Bussalp und Gassenboden. Später verlagerte sich die Besiedlung wegen klimatischer Veränderungen in den Talboden.

1146
Erste urkundliche Erwähnung von Grindelwald als «Grindelwalt». Der Ort wird durch König Konrad III dem Kloster Interlaken unterstellt.

1191
Schlacht bei Grindelwald. Berchtold V. von Zähringen besiegt den Oberländer Adel. Wenige Wochen später folgt die Gründung der Stadt Bern.

1349 und 1445
Aufstände gegen das Kloster Interlaken.

1528
Widerstand gegen die Reformation.

1564 und 1669
Schwere Pestjahre. Ein grosser Teil der Bevölkerung stirbt.

1792
Hinter Itramen wird letztmals ein Bär in Grindelwald erlegt.

1818
Eröffnung des ersten Hotels im Ort, des Hôtel de l’Aigle.

1820
Eröffnung des Hotels Bär.

1830 bis 1832
Bau des ersten Berghotels auf dem Faulhorn.

1888
Grindelwald entwickelt sich mit dem Winterhaus des Grandhotels Bär zum Wintersportort.

1890
Die Berner Oberland Bahn erreicht Grindelwald und verbessert die Erreichbarkeit des Dorfs entscheidend.

1892
Der grosse Dorfbrand zerstört 44 Wohnhäuser und 72 weitere Gebäude. Menschen kommen keine ums Leben.

1897
Gründung des Elektrizitätswerks Grindelwald auf Initiative der Hotellerie.

1898
Gründung des Bergführervereins Grindelwald und des Curling Club Grindelwald.

1905
Gründung des Kur und Verkehrsvereins, der später zu Grindelwald Tourismus wird.

1911
Der Velogemel wird patentiert – bis heute ein typisches Grindelwalder Kulturgut.

1912
Eröffnung der Jungfraubahn.

1932
Gründung der Skischule Grindelwald.

1947
Eröffnung der Bergbahnen Grindelwald First.

1951
Ein überraschender Gletscherseeausbruch überflutet unter anderem den Bahnhof Grindelwald Grund.

1967
Eröffnung der Luftseilbahn Grindelwald Pfingstegg.

1975
Eröffnung des Sportzentrums mit Eis und Curlinghalle. In den folgenden Jahren wird die Anlage laufend erweitert.

2007
Neubau des Feuerwehrstützpunkts Hellbach.

2010
Eröffnung des neuen Holzheizwerks Grindelwald.

2011
Eröffnung von Eiger Milch.

2014
Eröffnung von Eiger+ mit Parkierung, Einkauf und Dienstleistungsangebot.

2018
Eröffnung des Ärztezentrums beim Torrihaus in der Spillstatt.

2018 bis 2020
Realisierung des Grossprojekts V Bahn mit Terminal, Parkhaus, neuer Männlichenbahn und Eiger Express.

2024
Mehr als 1,6 Millionen Logiernächte bestätigen Grindelwald als international gefragte Ganzjahresdestination.

2026
Geplante Eröffnung der neuen Doppelturnhalle beim Schulhaus Graben.

Geschichte von Grindelwald

Die ersten Siedlungsspuren in Grindelwald gehen auf Bergkelten im ersten nachchristlichen Jahrtausend zurück. Sie siedelten im Gebiet Bussalp und Gassenboden oberhalb der damaligen Waldgrenze, da das Tal noch weitgehend bewaldet war und das Klima wärmer ausfiel. Erst mit der Abkühlung während der kleinen Eiszeit verlagerte sich die Besiedlung in den Talboden, vermutlich zunächst ins Gebiet Gydisdorf.

Die erste urkundliche Erwähnung von Grindelwald stammt aus dem Jahr 1146. Damals wurde «Grindelwalt» durch den deutschen König Konrad III dem Kloster Interlaken unterstellt.

Am Karfreitag, 12. April 1191, fand die Schlacht bei Grindelwald statt. Das Tal gehörte im frühen Mittelalter zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Kaiser Friedrich I. Barbarossa hatte die Herzöge von Zähringen mit der Ausübung der Reichsgewalt im Gebiet betraut. Diese stiessen im Berner Oberland jedoch auf Widerstand. Berchtold V. von Zähringen besiegte den aufständischen Oberländer Adel bei Grindelwald. Wenige Wochen später gründete er die Stadt Bern.

In den Jahren 1349 und 1445 kam es zu Aufständen gegen das Kloster Interlaken. 1528 regte sich in Grindelwald Widerstand gegen die Reformation.

Schwere Schicksalsschläge erlitt das Dorf auch durch die Pest. In den Pestjahren 1564 und 1669 starben grosse Teile der Bevölkerung. 1564 waren es rund 550 Personen, 1669 sogar 788 Menschen.

1792 wurde in Grindelwald hinter Itramen letztmals ein Bär erlegt.

Ein prägendes Ereignis war der Dorfbrand vom 18. August 1892. Während eines Föhnsturms brach das Feuer im Grandhotel Bär aus. 44 Wohnhäuser und 72 weitere Gebäude westlich des Brandherdes wurden vollständig zerstört. Der Sachschaden belief sich auf 1,6 Millionen Franken, Menschen kamen jedoch keine ums Leben. 1941 brannte das Hotel Bär erneut ab und wurde danach nicht wieder aufgebaut.

Entwicklung von Infrastruktur und Dorfleben

1897 entstand auf Initiative der Hotellerie zusammen mit der Firma Motor Baden das Elektrizitätswerk Grindelwald. Nachdem eine Übernahme durch die Gemeinde 1907 abgelehnt worden war, wurde die Elektrizitätswerk Grindelwald AG unter Beteiligung der BKW gegründet. Seit 2016 hält die BKW sämtliche Aktien.

1975 wurde das Sportzentrum Grindelwald eröffnet, zunächst mit Eis und Curlinghalle sowie Autoeinstellhalle. Zwei Jahre später kamen Hallenbad, Restaurant, Wohnungen, Zivilschutzanlage und die Räume des Kurvereins mit Gästeinformation und Büros hinzu. Die Investitionen beliefen sich damals auf rund 15 Millionen Franken. In den folgenden Jahren wurde das Angebot weiter ausgebaut: 2002 mit einer Wellnessoase und neuer Schalterhalle, 2006 mit einer Wasserrutsche sowie 2008 mit Kletterhalle und Seilpark. Zwischen 1993 und 2009 wurden dafür weitere 11 Millionen Franken investiert.

2007 wurde der neue Feuerwehrstützpunkt Hellbach eröffnet, als Ersatz für die bisherigen Standorte Spillstatt und Sportzentrum.

Im September 2010 ging das neue Holzheizwerk in Betrieb. 2023 erzeugte es 16,2 Millionen kWh Wärmeenergie, ersetzte rund 1,9 Millionen Liter Heizöl und vermied etwa 4’900 Tonnen CO2. Mehr als 60 Abnehmer werden über ein über 5 Kilometer langes Leitungsnetz mit Wärme versorgt.

2011 wurde die Eiger Milch eröffnet. 2020 verarbeitete sie bereits über 2 Millionen Liter Milch. Im November 2020 übernahm sie zudem «Der Laden» im Eiger+ und im Mai 2023 die Molkerei Wilderswil. Insgesamt werden im Tal rund 2,3 Millionen Liter Milch produziert.

Im Dezember 2014 wurde das Eiger+ eröffnet mit Autoeinstellhalle, Coop, BEKB und weiteren Angeboten.

Im Juni 2018 folgte die Eröffnung des Ärztezentrums beim Torrihaus in der Spillstatt. Für 2026 ist die Eröffnung einer neuen Doppelturnhalle beim Schulhaus Graben vorgesehen.

Gemeinde in Zahlen

Grindelwald hat eine Grenzlänge von 65 Kilometern. Der höchste Punkt liegt auf dem Mönch auf 4’110 m ü. M. Die Gesamtfläche der Gemeinde beträgt 171,3 km². Davon gelten 95 km² als unproduktiv, 12 km² sind Wald.

In Grindelwald stehen 4’822 Bauten, davon sind 2’048 bewohnt. Insgesamt gibt es 4’912 Wohnungen.

Die Einwohnerzahl entwickelte sich im Lauf der Geschichte stark. Vor der Pest lebten um 1669 rund 1’200 Menschen im Tal. 1816 waren es 2’000, 1830 bereits 2’300 und 1850 2’924. 1900 zählte Grindelwald 3’342 Einwohnerinnen und Einwohner, 1950 waren es 3’053, 1990 3’545. In neuerer Zeit stieg die Zahl auf 4’069 im Jahr 2000, 4’090 im Jahr 2010, 4’113 im Jahr 2020, 4’159 im Jahr 2023 und 4’318 in den Jahren 2024 und 2025.

Schulen und Bildung

Grindelwald verfügt über vier Schulhäuser. In Burglauenen und Wärgistal werden die 1. und 2. Klasse unterrichtet. Das Schulhaus Endweg deckt die 3. bis 6. Klasse ab. Im Schulhaus Graben werden die 1. bis 9. Klasse sowie Real und Sekundarschule geführt.

Hinzu kommen drei Kindergärten in Graben, Wärgistal und Burglauenen.

Die Schülerzahlen haben sich im Lauf der Zeit deutlich verändert. 1845 wurden noch rund 600 Schülerinnen und Schüler gezählt, 2001 waren es etwa 400, 2016 rund 300. In den letzten Jahren lagen die Zahlen zwischen 299 und 317 Kindern, teilweise inklusive ukrainischer Klasse.

Wasserversorgung, Politik und Museum

Die Wasserversorgung und die Abwasserreinigungsanlage gehören zu den zentralen Infrastrukturen der Gemeinde und spiegeln die laufende Entwicklung des Dorfes wider.

Auch politisch hat Grindelwald immer wieder Persönlichkeiten hervorgebracht, die überregional bedeutende Funktionen übernommen oder besondere Ehrungen erhalten haben.

Das heutige Grindelwald Museum hiess bis 2010 Heimatmuseum. Das Gebäude wurde 1889 erbaut und bis 1961 als Schulhaus genutzt. Seit 1963 dient es als Museum und bewahrt zentrale Zeugnisse der Dorfgeschichte.

Kirchliches Leben

Petronellakapelle

Das erste christliche Gotteshaus in Grindelwald war vermutlich eine Einsiedelei, die sogenannte Petronellakapelle. Sie stand wohl um das Jahr 1000 in der Nellenbalm oder in deren Nähe. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde sie entweder durch den vorstossenden Gletscher zerstört oder auf Anordnung der bernischen Obrigkeit abgebrochen.

Das Petronellaglöcklein hing später in der Dorfkirche und ab 1879 bis zum Dorfbrand von 1892 im Turm der ersten anglikanischen Kirche am Endweg. Eine Nachbildung sowie Schmelzreste befinden sich heute im Grindelwald Museum.

Reformierte Kirche

Die reformierte Kirche wird erstmals 1228 urkundlich erwähnt. Zuvor gab es vermutlich mehrere Holzkirchen, später folgte ein Steinbau. Anfang des 16. Jahrhunderts und nochmals 1662 wurde neu gebaut. Die heutige Kirche entstand 1793, der sich neigende Turm wurde 1875 ersetzt.

2017 erhielt die Kirche eine Fussbodenheizung mit Fernwärme. Der Taufstein aus Gurtensandstein stammt aus dem Jahr 1630. Die Orgel wurde 1839 gebaut und 1912, 1961 sowie 2017 erneuert oder renoviert. Das Geläut umfasst fünf Glocken, wobei die älteste über 700 Jahre alt ist.

Pfarrhaus, Weschhysli und Pfarrscheuer

Das erste Pfarrhaus aus Holz entstand 1663, 1788 wurde es durch einen Steinbau ersetzt. Vor dem Bau der ersten Hotels logierten darin auch Forscher und wohlhabende Reisende. Das Gästebuch aus der Zeit von 1805 bis 1817 wird heute im Museum aufbewahrt. 2022 und 2023 wurde das Pfarrhaus umfassend saniert.

Das Weschhysli und die Pfarrscheuer stammen aus den 1790er Jahren. Das Weschhysli diente zunächst als Ofenhaus, später als Waschhaus. Die Scheune wurde zwar 1987 vollständig zerstört, 2009 aber zu einem Versammlungslokal umgebaut. Der Steinbrunnen soll 1791 von über hundert Männern mit Trommeln und Pfeifen von Lütschental nach Grindelwald gebracht worden sein.

Pfarrer Strasser

Pfarrer Gottfried Strasser, geboren 1854 und gestorben 1912, wirkte ab 1879 in Grindelwald und prägte das Dorf wie kaum ein anderer. Er setzte sich für ein besseres Schulwesen ein, eröffnete die Sekundarschule, gründete 1885 den Gemeinnützigen Verein als späteren Kurverein, förderte 1887 die Beleuchtung der Dorfstrasse, initiierte 1892 die Feuerwehr und 1902 das erste Trottoir. Er war auch Historiker, Journalist und Liedtexter und schrieb unter anderem das Grindelwald Lied.

Englische und katholische Kirche

Die englische Kirche am Endweg wurde 1886 erbaut, fiel aber dem Dorfbrand von 1892 zum Opfer. Sie wurde wieder aufgebaut, erhielt 1895 eine neue Glocke und wurde 1974 im Zusammenhang mit dem Bau des Sportzentrums und der Verlegung des Endwegs abgebrochen.

Die katholische Bruderklaus Kirche wurde 1950 und 1951 gebaut und am 26. August 1951 eingeweiht. Im Sommer 2005 wurde sie renoviert. Grindelwald gehört kirchlich zum Pfarrkreis Heiliggeist Interlaken.

Martinsloch

Gemäss Sage rückte der heilige Martin Mettenberg und Eiger auseinander und durchbohrte dabei mit seinem Stock den Fels. Am 28. November und am 15. Januar scheint die Sonne durch das Martinsloch direkt auf die Kirche. Vermutlich wurde der Kirchenstandort deshalb bewusst so gewählt.

Landwirtschaft und Taleinung

Grindelwald wandelte sich im 19. Jahrhundert vom Bergbauerndorf zum Fremdenverkehrsort. Im Mittelalter spielte der Ackerbau noch eine viel grössere Rolle. Kartoffeln, Korn, Kirschen und Äpfel prägten das Tal, sind heute jedoch weitgehend verschwunden.

Bereits sehr früh wurde erkannt, dass die Alpen geregelt bewirtschaftet werden müssen. 1404 entstand eine erste Vereinbarung, die 1538 erneuert und 2002 an die heutige Form angepasst wurde. Daraus entwickelte sich der bis heute gültige Taleinungsbrief.

Die Alpen wurden in sieben Bergschaften aufgeteilt. Die Wohnlage im Tal bestimmt die Zugehörigkeit. Je nach Grösse des Besitzes im Tal erhält ein Landbesitzer entsprechende Kuhrechte auf der Alp. Gleichzeitig darf nur so viel Vieh aufgetrieben werden, wie auch überwintert werden kann. Damit wird eine Übernutzung verhindert. Die Rechte sind immer auch mit Pflichten verbunden, etwa mit Unterhaltsarbeiten. Die Alpzeit dauert rund 100 Tage.

Heute bewirtschaften rund 100 Landwirte mit Direktzahlungen und etwa 60 im Nebenerwerb rund 1’490 Hektaren. Jährlich werden etwa 2,6 Millionen Liter Kuhmilch, 3’500 Liter Ziegenmilch und 2’600 Liter Schafmilch produziert. Dazu kommen rund 80’000 Kilogramm Käse und 30’000 Kilogramm Joghurt.

Schweifelhag

Der Schweifelhag ist ein traditioneller Zaun, der ausschliesslich aus Materialien aus dem Wald hergestellt wird. Die sogenannten Schweifel bestehen aus Tannästen, die über dem Feuer geschmeidig gemacht und ringförmig gebogen werden. Zusammen mit Zaunstecken und gespaltenen Schijen entsteht so ein stabiler, langlebiger und landschaftstypischer Zaun, der sich harmonisch in die Umgebung einfügt.

Bergsteigen und Skischule

Die alpine Tradition Grindelwalds ist aussergewöhnlich reich. 1898 wurde der Bergführerverein Grindelwald gegründet, 1932 die Skischule. 1957 eröffnete das erste Bergführerbüro. 1971 entstand die private Schweizer Bergsteigerschule Grindelwald, 1985 folgte das Bergsteigerzentrum. 1991 wurde das Bergführer Chalet in der Joderlücke eröffnet, 1994 zog die Schweizer Skischule ein. Seit 2002 firmierte das Angebot unter grindelwaldSports AG, seit 2017 nach der Fusion mit Outdoor Interlaken in neuer Form weiter.

Zu den berühmten Erstbegehungen zählen die Jungfrau 1811, das Finsteraarhorn 1812, das Wetterhorn 1845, der Mönch 1857 und der Eiger 1858 über die Westflanke. Zwischen 1854 und 1865 wurden insgesamt 45 Erstbegehungen verzeichnet. Berühmt sind auch die Besteigung des Eigers über den Mittellegigrat 1921, die erste Winterbegehung 1934 und die Durchsteigung der Eigernordwand 1938.

Berghütten und Bhend Eispickel

Die Berghütten rund um Grindelwald sind ein wichtiger Teil der alpinen Kultur. Sie dienen bis heute als Ausgangspunkte für Touren und als Orte des Austauschs.

Eine besondere Tradition verkörpert auch der Bhend Eispickel. Seit dem späten 19. Jahrhundert wird er in Grindelwald hergestellt und galt lange als unverzichtbare Ausrüstung für Bergführer und Bergsteiger. Selbst die Himalaya Expedition von 1953 mit Hillary und Tenzing sowie die Schweizer Expedition von 1956 wurden damit ausgerüstet. Heute wird er bereits in fünfter Generation als Liebhaberobjekt gefertigt.

Gletscher und Eisabbau

Die beiden Grindelwaldgletscher waren einst der wichtigste Anziehungspunkt für frühe Reisende, Forscher und wohlhabende Gäste. Weil sie bis weit ins Tal hinabreichten, waren sie leicht erreichbar und machten Grindelwald bereits früh bekannt.

Die Gletscher veränderten sich im Lauf der Jahrhunderte immer wieder. Zu Beginn des letzten Jahrtausends lagen sie deutlich weiter zurück. Um 1660 stiess der Untere Grindelwaldgletscher bis zum Aspi im Talboden vor. Danach folgten Rückzüge und erneute Vorstösse. Seit dem 19. Jahrhundert überwiegt der Rückzug deutlich.

Der Gletscher prägte das Leben der Bevölkerung unmittelbar. Häuser mussten versetzt werden, zugleich bot das Eis eine Einnahmequelle. Ab 1863 wurden Eisblöcke aus dem Gletscher geschnitten, verpackt und mit Pferdefuhrwerken nach Interlaken transportiert. Von dort gelangten sie weiter bis nach Paris und Prag, etwa für Spitäler und Brauereien. An Spitzentagen wurden bis zu 70 Ladungen befördert. Der letzte Eisabbau fand 1917 am Unteren und 1934 am Oberen Grindelwaldgletscher statt.

Gletscherschlucht

1875 machten die Gebrüder Schläppi die Gletscherschlucht erstmals begehbar. Ab 1907 übernahm der Verkehrsverein, heute Grindelwald Tourismus, den Betrieb. 1923 und 1951 kam es zu Zerstörungen durch Lawinen und Wasserausbrüche. 1953 wurde die Anlage neu eröffnet und auf 700 Meter verlängert, 1975 schliesslich auf die heutige Länge von rund 1’000 Metern ausgebaut.

Am Eingang befinden sich ein Kristallmuseum mit Mineralien aus der Region sowie das Hotel und Restaurant Gletscherschlucht. 2016 wurde zusätzlich das begehbare Spiderweb über der Lütschine installiert.

Marmor und Steinbruch

Vom Mettenberg bis zum Wetterhorn zieht sich ein Marmorband durch den Fels. Der Grindelwalder Marmor ist wegen seiner Farbigkeit bekannt, gilt jedoch als relativ spröde und schwierig zu bearbeiten. Besonders eindrücklich ist seine Verwendung in Türeinfassungen im Bundeshaus. Auch im Museum finden sich verschiedene Exponate.

Abgebaut wurde der Marmor in den Jahren 1740 bis 1760 sowie 1865 bis 1903. Ein längerer Unterbruch war durch den vorrückenden Gletscher bedingt, der die Anlage zeitweise überdeckte.

Tourismus in Grindelwald

Die ersten fremden Gäste, vorwiegend wohlhabende Europäer und besonders Engländer, logierten bereits ab Ende des 17. Jahrhunderts im Pfarrhaus. 1798 entstand mit dem Steinbock die erste Taverne, 1818 folgte mit dem Hôtel de l’Aigle das erste Hotel, 1820 das Hotel Bär. Zwischen 1830 und 1832 wurde auf dem Faulhorn das erste Berghotel gebaut, 1870 folgte eines auf dem Männlichen.

1905 wurde der Kur und Verkehrsverein gegründet, seit 1997 heisst die Organisation Grindelwald Tourismus. Bis 1900 entstanden 17 Hotels, 1942 waren es bereits 30. 1985 zählte Grindelwald 45 Hotels mit 2’493 Betten, 2016 noch 40 Hotels mit 2’619 Betten. 2022 eröffneten das neue Hotel Bergwelt sowie das teilrenovierte Hotel Fiescherblick. Damit verfügte Grindelwald über insgesamt 3’086 Hotelbetten in 48 Hotels.

Auch Ferienwohnungen, Berghäuser und Campingplätze prägen das touristische Angebot stark. Der Ausbau der Zufahrtsstrasse ab Interlaken förderte zusätzlich den Tagestourismus. Seit der Annahme der Zweitwohnungsinitiative vom 11. März 2011 gilt in Grindelwald ein Baustopp für Zweitwohnungen.

Wintersport

Zum Wintersportort wurde Grindelwald 1888 mit dem Bau des Winterhauses des Grandhotels Bär. Es war das erste Hotel im Ort, das wintertauglich gebaut wurde. 1891 brachte der Engländer Gerald Fox die ersten Skis nach Grindelwald. Noch vor 1900 stellte Samuel Wyss hinter Itramen als Erster Skis aus Eschenholz her.

Zwischen 1912 und 1939 bestand eine Bobbahn von der Brandegg bis zum Grund. 1931 wurde der Bob Club Grindelwald gegründet, 1936 fanden Schweizer Meisterschaften statt. 1932 wurde das erste SDS Skirennen durchgeführt, später folgten Weltcuprennen. 1938 entstand der Hockey Club Grindelwald, 1941 wurde der erste Skilift von der Kleinen Scheidegg zum Lauberhorn gebaut. Mit dem Bau des Sportzentrums in den Jahren 1975 bis 1977 erhielt der Ort eine wetterunabhängige Sportanlage.

Curling

Der Curling Club Grindelwald wurde 1898 im Hotel Bär gegründet und war der dritte Curling Club der Schweiz. Der Damen Curling Club Grindelwald von 1952 gilt als ältester Damenclub der Schweiz. Der Grindelwald Swiss Curling Club entstand 1913, weil der ursprüngliche Club nur Engländer als Mitglieder aufnahm.

Grindelwald war mehrfach Austragungsort bedeutender Wettkämpfe, darunter Europameisterschaften in den Jahren 1981, 1995 und 2002 sowie Junioren Weltmeisterschaften 1978 und 1993.

Velogemel

Der Velogemel ist ein typisches Grindelwalder Kulturgut. Es handelt sich um einen einspurigen, lenkbaren Sportschlitten aus Eschenholz mit Kufen. Erfunden wurde er von Christian Bühlmann, der ihn am 1. April 1911 zum Patent anmeldete. Heute wird er noch immer in Grindelwald hergestellt, und jedes Jahr findet eine Weltmeisterschaft statt.

Freizeitangebot heute

Die Jungfrau Region bietet im Winter 211 Pistenkilometer, davon über 60 Prozent technisch beschneit, 44 Transportanlagen, 100 Kilometer Winterwanderwege, 69 Kilometer Schlittelwege, 15 Kilometer Langlaufloipen, 20 Kilometer Schneeschuhtrails sowie Kunsteisbahn, Curlingrinks, Hallenbad, Kletterhalle und Indoor Seilpark.

Im Sommer stehen 272 Kilometer markierte Wanderwege, sechs Bergbahnunternehmen, 160 Kilometer Mountainbike Routen, eine Downhill Strecke, Sommerrodelbahn, Tennisplätze, Golf, Minigolf, Hallenbad, Freibad, Klettermöglichkeiten und Bergtouren zur Verfügung.

Zu den Grossveranstaltungen zählen der Eiger Ultra Trail Mitte Juli mit über 4’000 Läuferinnen und Läufern, die Eiger Bike Challenge Mitte August, das Strassenfest im Juli und August jeweils am Mittwochabend, der Grindelwald Märt am ersten Montag im Oktober sowie die Countrynight Anfang Oktober.

Logiernächte und Gästeherkunft

Die Logiernächte entwickelten sich in den letzten Jahren sehr dynamisch. 1998 wurden insgesamt gut 1 Million Logiernächte verzeichnet, 2019 bereits rund 1,34 Millionen. Nach dem coronabedingten Rückgang auf knapp 1 Million im Jahr 2020 stieg die Zahl wieder stark an und erreichte 2023 rund 1,62 Millionen. 2024 lag sie mit 1’615’374 praktisch auf dem gleichen hohen Niveau.

Bei der Gästeherkunft zeigen sich deutliche Verschiebungen. Während während der Coronajahre vor allem Schweizer Gäste dominierten, ist die internationale Nachfrage inzwischen wieder stark gestiegen. 2024 verteilten sich die Gäste insgesamt auf 37 Prozent aus der Schweiz, 24 Prozent aus Europa, 13 Prozent aus Amerika, 24 Prozent aus Asien sowie 6 Prozent aus GCC Staaten, Afrika, Australien und Neuseeland.

Öffentlicher Verkehr und Bahnen

Bereits 1862 bestand eine Pferdepostverbindung zwischen Unterseen und Grindelwald. Die Fahrt dauerte zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Stunden.

Mit den Bahnen begann eine neue Ära. 1890 nahm die Berner Oberland Bahn den Betrieb nach Grindelwald auf, 1893 folgte die Wengernalpbahn. 1908 ging der Wetterhornaufzug in Betrieb, der allerdings nur bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs betrieben wurde. 1912 wurde die Jungfraubahn fertiggestellt.

Weitere wichtige Meilensteine waren 1947 die Bergbahnen Grindelwald First, 1967 die Luftseilbahn Grindelwald Pfingstegg, 1978 die Gondelbahn Grindelwald Männlichen und schliesslich das Grossprojekt V Bahn mit Terminal, Parkhaus, Eiger Express und neuem Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Dieses Projekt wurde zwischen 2018 und 2023 realisiert und umfasste Investitionen von rund 450 Millionen Franken.

Die Berner Oberland Bahn zählte 2023 rund 6,7 Millionen Fahrgäste und erreichte 2024 mit 7,1 Millionen einen neuen Rekord.

Grindelwaldbus

Die erste Postautokonzession hatte 1909 Hans Rubi vom Hotel Wetterhorn. Später wurde daraus der Grindelwaldbus, der unter Peter Balmer senior und junior stetig ausgebaut wurde. Ende 2017 wurde der Betrieb mangels Nachfolge an die STI AG in Thun verkauft. Seit 2025 verkehrt erstmals ein Elektrobus fahrplanmässig im Ort.

Die Dorfbusse erschliessen alle äusseren Ortsteile im 30 Minuten Takt und können mit Gästekarte kostenlos genutzt werden. Im Winter verkehren zusätzlich Skibusse, teilweise im 15 Minuten Takt. 2024 wurden insgesamt mehr als 1,3 Millionen Passagiere befördert.

Naturereignisse

Grindelwald war immer wieder von Naturereignissen geprägt. Bereits in vorgeschichtlicher Zeit wurde Schillingsdorf, das heutige Burglauenen, von einem gewaltigen Bergsturz verschüttet. Dadurch entstand zeitweise ein See, der weit ins Tal zurückreichte.

Zu den markanten Ereignissen der jüngeren Geschichte zählen unter anderem der Blitzschlag auf dem Wetterhorn 1902, der Murgang am Rötihorn 1906, die Berglitragödie von 1910, der Gletscherseeausbruch von 1951, der schwere Föhnsturm von 1962, verschiedene Lawinenereignisse in den 1970er Jahren, der Lawinenwinter von 1999, das Hochwasser 2005, der Bergsturz an der Schlossplatte zwischen 2006 und 2009 sowie mehrere Wasserausbrüche aus den Gletschern.

Ein besonders einschneidendes jüngeres Ereignis war das Unwetter vom 12. August 2024. Dabei wurden die Zufahrtsstrasse sowie die BOB Linie von Zweilütschinen her an mehreren Stellen verschüttet. Rund 200 Personen mussten in Grindelwald über Nacht in Notunterkünften untergebracht werden.

Quellen und weiterführende Informationen

Weiterführende Informationen finden sich unter anderem bei der Gemeinde Grindelwald, beim Grindelwald Museum, bei Grindelwald Tourismus, bei grindelwaldgeschichten.ch, bei gletschersee.ch sowie bei verschiedenen regionalen Institutionen und Vereinen.

Zusammengestellt nach den vorliegenden Angaben von Hansueli Seiler, Grindelwald, Stand 5. April 2026.